Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

der Stadt Bornheim 

Planung und Durchführung einer Gehegeschild-Evaluation durch Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Bornheim im Rahmen eines Projektkurses (2016/2017)

Projektkurse in der gymnasialen Oberstufe

Seit dem Schuljahr 2011/12 können Schüler in den nordrhein-westfälischen Gymnasien sogenannte Projektkurse für ein Jahr in der Qualifikationsphase des Bildungsgangs zum Abitur (Sekundarstufe 2 bzw. gymnasiale Oberstufe) zusätzlich zum normalen Pflichtkanon der Schulfächer wählen. Projektkurse können von den Schulen eigenverantwortlich in allen Fächern eingerichtet werden. Sie sind an das Kursangebot der Schule angebunden, so müssen Schüler beispielsweise beim Projektkurs „Untersuchungen im Kölner Zoo“ mindestens einen Grundkurs im Fach Biologie besuchen. Allerdings bestehen bei den Arbeitsformen und der thematischen Gestaltung des Unterrichts Freiheiten, die im normalen Unterricht durch organisatorische und thematische Vorgaben, wie Stundenpläne und Lehrpläne nicht erreicht werden können. Ziel ist es, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten einzeln und besonders im Team zu fördern und an thematischen Schwerpunkten selbständig vertieft zu arbeiten. Die zu bearbeitenden Themen werden im Kurs miteinander ausgewählt, abgestimmt, selbständig geplant, bearbeitet und langfristig zu einem Gesamtergebnis zusammengeführt.

Als Zoopädagoge und Biologielehrer des Bornheimer Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums konnte ich mit 14 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe im Schuljahr 2012/13 im Rahmen eines Projektkurses im Kölner Zoo zahlreiche Untersuchungen zu selbständig ausgewählten Tierarten durchführen. Die dabei gewonnenen methodischen Erfahrungen sollten gegen Ende des einjährigen Projektkurses in einer umfassenderen gemeinsamen Untersuchung aller Kursteilnehmer zur Akzeptanz der Gehegeschilder durch die Besucher münden.

Planungsphase

In mehreren Gruppensitzungen diskutierte man ausgiebig und kontrovers. Schließlich einigte man sich auf drei Untersuchungsaspekte und entwarf geeignete quantitative Untersuchungsmethoden zu folgenden Fragestellungen:

  1. In welchem Maße werden Gehegeschilder von den Zoobesuchern als Informationsquelle vor den Gehegen genutzt?
  2. Ist ein Gehegeschild so aufbereitet, dass die Informationen leicht zugänglich sind?
  3. Welche der angebotenen Informationen entnehmen die Zoobesucher den Gehegeschildern?

Als Tiergehege wurden nach einem Rundgang durch den Zoo folgende Gehegeanlagen ausgewählt:

  • Waschbär,
  • Okapi,
  • Großer Ameisenbär,
  • Giraffen,
  • Mantelpavian,

Alle Gehege befinden sich am Hauptweg (Rundweg) durch den Kölner Zoo. Die Gehegeschilder sind entweder seitlich am Gehege oder direkt vor dem Hauptbeobachtungsstandort einsehbar.

Methoden und Durchführung

Es sollten vornehmlich quantitative Untersuchungsmethoden angewandt werden, um objektive Daten zur Auswertung zu erhalten. Die ausgewählten Gehegeschilder müssen mit den gleichen Methoden und Verfahren zwecks Vergleichbarkeit der Daten untersucht werden, d.h. auch die Größe, Struktur und Gliederung sollten gleichartig sein.

Der 1. Fragestellung nach der Nutzung von Gehegeschildern sollte mit Beobachtungen der Besucher nachgegangen werden, ohne dass sie etwas davon bemerken. Dazu musste ein Beobachtungsbogen (vgl. Abb. 1) entwickelt werden, der die Zahl der Besucher erfasste, die das Tiergehege aufsuchten (Strichliste).

Um quantitativ unterscheiden zu können, welche Besucher sich für ein Gehegeschild als Informationsquelle interessierten, wurde um das Gehegeschild ein 1m-Halbkreis unauffällig am Boden markiert. Jeder erwachsene Besucher, der in diesen Halbkreis eintritt und dort stehen blieb, wurde gezählt. Dabei wurde diesem Besucher unterstellt, dass er sich in einem solchen Moment mit den Informationen des Gehegeschildes beschäftigte.

Zoobesucher, die einen größeren Abstand vor dem Gehege einhielten, aber einen 3m-Halbkreis betraten, wurden ebenfalls erfasst. Dabei wird angenommen, dass sie sich für die Tiere im Gehege interessierten, aber wegen des größeren Abstands zum Gehegeschild keine Information wünschten. Außerhalb des 3m- Halbkreises wurden keine Daten erfasst.

Für die Fragestellungen die sich direkt auf den Informationsgehalt und die Aufmachung des Gehegeschildes bezogen, wurde ein Fragebogen entwickelt (vgl. Abb. 2). Zoobesucher, die im 1m-Halbkreis stehenblieben und dort (wenn auch nur kurzzeitig) das Gehegeschild betrachteten, wurden zu dem zuvor gelesenen Schild von zwei Befragern interviewt, nachdem sie sich davon abgewendet hatten.

Der Fragebogen bestand aus zwei Teilen: einem internen und einem direkten Teil.

Der interne Teil wurde vom Interviewer ausgefüllt, denn er enthielt Fragen bezüglich des Geschlechts, der Gruppenzusammensetzung und des Alters , wobei stets geschätzt wurde. Hierbei sollten zusätzliche Daten erfasst werden, die bei der Informationsentnahme eine Rolle spielen könnten.

Im direkten Teil wurden die Zoobesucher befragt, nachdem sie sich mit dem Gehegeschild auseinandergesetzt haben.

Die Kernfrage des Fragebogens richtet sich auf die unterschiedlichen Informationsangebote des Gehegeschildes (vgl. Frage 10, Abb.2). Dazu wurde Struktur des Gehegeschildes in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt und die Zoobesucher dahingehend befragt, welche Teile sie sich genauer angesehen bzw. gelesen haben. (vgl. Abb. 3).

Ebenso sollte die formale Gliederung, dass Design und die Qualität der Zeichnungen beurteilt werden. Gegen Ende der Befragung sollte eine Gesamtbeurteilung des Gehegeschildes anhand der Schulnoten- Skala abgegeben werden. Abschließend konnten sogar Anregungen bzw. Kritik frei formuliert werden.

Mithilfe des (kostenlosen ) Computerprogramms „GrafStat 4“ wurden die Fragestellungen ausgearbeitet und entsprechende Antwortmöglichkeiten je nach Fragetyp (Einfach- oder Mehrfachwahl, Skala, freie Antwort) zugeordnet. Ebenso wurde das Layout des Fragebogens gestaltet. Nach der Befragung wurden die Antworten der ausgefüllten Fragebögen in speziellen Eingabemasken des Programms eingegeben. Die Daten können anschließend sofort tabellarisch übersichtlich zusammengestellt und auch in Diagrammen grafisch dargestellt werden. Selbst unterschiedliche Abhängigkeiten der erfassten Daten können auch in Kreuztabellen und entsprechenden Diagrammen analysiert werden.

Fragestellung 1:

In welchem Maße werden Gehegeschilder von den Zoobesuchern als Informationsquelle vor den Gehegen genutzt?

Ergebnisse

Insgesamt haben 2835 Zoobesucher den 3m-Halbkreis betreten, davon sind 801 Personen in den 1m-Halbkreis vorgedrungen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

GehegePersonen im
3m-Halbkreis
davon im
1m-Halbkreis
davon befragte Zoobesucher
Waschbär726267   (36,8%)30
Großer Ameisenbär754160   (21,2%)21
Giraffe777140   (18,0%)11
Okapi578234   (40,5%)20
MantelpavianKeine Daten *Keine Daten *22
Gesamt:2835801  (28,2%)104

* Die Datenerhebung seitens der Schüler war fehlerhaft.

28% der relativ nahe (im 3m-Halbkreis) an den Gehegen vorbeigehenden Zoobesucher treten auch näher an das Gehegeschild heran (1m-Halbkreis).

Auswertung

Ungefähr jeder 4. beobachtete Besucher begibt sich so nahe an ein Gehegeschild heran, dass er ohne Probleme die Informationen wahrnehmen kann. Die danach befragten Besucher haben dies offensichtlich in unterschiedlichem Maße getan.

Lediglich am Waschbären- und Okapi-Gehege sind die Besucher häufiger nahe an des Gehegeschild herangetreten, um eine optimale Sicht auf die zu beobachtenden Tiere zu erhalten. Der Standort der Schilder direkt vor dem Gehege erklärt die höheren Werte des 1m-Halbkreises, ein zufälliges Stehenbleiben nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Gehegeschilder vom Gr. Ameisenbär und der Giraffe sind seitlich am Gehege angebracht und liegen nicht im direkten Sichtfeld der Besucher vor dem Gehege. Hier müssen die Besucher sich aktiv zum Schild hinbewegen, um Informationen zu erhalten.

Fragestellung 2
Ergebnisse und Auswertungen:

Ist ein Gehegeschild so aufbereitet, dass die Informationen leicht zugänglich sind?

Frage 15: