Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

der Stadt Bornheim 

Am 30.06.2026 machten wir (die Klasse 9e) uns gemeinsam mit Herrn Hain und Herrn Ramminger auf den Weg nach Hadamar, um einen Einblick in die Geschichte der Gedenkstätte und die nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen zu erhalten. In dieser Tötungsanstalt wurden ca. 15.000 Menschen zwischen den Jahren 1941 bis 1945 unter dem Vorwand der „Euthanasie“ ermordet. Darunter auch Catharina König aus Bornheim, deren Stolperstein in der Königstraße in der Nähe unserer Schule die Erinnerung an sie aufrechterhält.

Zu Beginn der Führung lagen Bilder verschiedener Filmfiguren auf dem Boden ausgelegt. Unsere Aufgabe war es, diese gemeinsam als Klasse in die Kategorien „Helden“ und „Schurken“ einzuordnen. Danach sollten wir erklären, warum wir die Zuordnungen so gewählt haben. Doch anstatt unsere Erklärungen einfach hinzunehmen, wurden wir weiter gefragt, woran es denn liege, dass wir manche Figuren automatisch mit Bösewichten assoziieren. Die Aufgabe sollte uns zeigen, wie schnell wir Menschen in „gut“ und „böse“ einteilen. Dies war auch die Überleitung zum eigentlichen Thema, da Menschen im normalen Leben viel komplexer sind. Anschließend haben wir zwei Werbeplakate aus der NS-Zeit gezeigt bekommen, bei denen uns das Zuordnen nicht mehr so leichtfiel. Dabei ging es unter anderem um die Zwangssterilisation, die damals in Hadamar eine große Rolle gespielt hat. Nachdem wir diese geschichtliche Einführung bekommen hatten, wurde uns der historische Ort gezeigt. Doch zuvor läuteten wir gemeinsam eine Glocke, um symbolisch all der Betroffenen der damaligen Zeit zu gedenken.

Anschließend sind wir den Weg entlang zu einem Schuppen gegangen. Uns wurde erklärt, dass dieser Schuppen damals als Ankunftsort für die „grauen Busse“ diente. Mit jenen Bussen kamen zur Zeit der ersten Tötungsphase die auserwählten „Patientinnen und Patienten“ an. Man erklärte uns, dass nachdem diese angekommen waren, sie durch einen mit Holzplanken umrandeten Gang gehen mussten. Dort konnten sie nicht nach außen schauen und deshalb auch nicht fliehen. Im Anschluss wurde gezeigt, wo die „Patienten“ ins Gebäude geführt wurden. Man erklärte uns, dass sie zuerst von Ärzten untersucht worden waren. Nach dieser Untersuchung mussten sie ihre Kleider ablegen und erhielten alte Soldatenumhänge als Ersatz für den Weg in den Keller. Danach ging es in den Keller, wobei uns immer die Möglichkeit gelassen wurde, wieder nach oben zu gehen oder direkt oben zu bleiben. Im Keller durften wir uns frei einen Teil der Räumlichkeiten anschauen. Darunter befand sich auch die noch erhaltene Gaskammer, der Operationsraum und der Raum, in dem der Gashahn damals aufgedreht wurde. Danach gingen wir alle zusammen zum Brennofen, wo die Leichen verbrannt wurden. Ein Fakt, der uns alle geschockt hatte, war, dass die Leichen über den Boden zu dem Ofen geschleift wurden und dass der Boden dafür extra mit speziellem Estrich eingerieben wurde.

Nachdem wir den historischen Keller verlassen hatten, sind wir zurück in den Gruppenraum gegangen. Dort haben wir über drei Personen gesprochen, die an der zweiten Tötungsphase beteiligt waren. Wir haben die verschiedenen Gründe besprochen, weshalb Menschen der NSDAP beigetreten sind und sich an den Morden beteiligt haben. Beispielsweise ist Adolf Wahlmann als Chefarzt der NSDAP beigetreten, um sich seinen Traum von einer Karriere zu erfüllen.

Daraufhin sind wir auf den Friedhof der zweiten Tötungsphase gegangen, wo wir ein Bild sahen, das den Friedhof von damals zeigte. Damals sah man viele Gräber, die wie Einzelgräber aussahen, in denen jedoch jeweils zehn bis zwanzig Menschen begraben waren. Heutzutage ist der Friedhof ein friedlicher Ort mit einem Denkmal, Kreuzen und einer Wiese, auf der sich damals die Gräber befanden. Vor dem Denkmal haben wir uns zusammengestellt, um der Verstorbenen zu gedenken. Außerdem haben wir uns Ziele für unsere Zukunft gesetzt, damit wir aufeinander achten und respektvoll miteinander umgehen.

Abschließend können wir sagen, dass uns dieser Ausflug nicht nur geschichtlich weitergebracht hat, sondern auch gesellschaftlich ein Stück näher an ein gutes Miteinander herangeführt hat. Wie auf dem Denkmal steht: „Mensch, achte den Menschen.“ möchten wir uns darauf konzentrieren, keine Vorurteile gegenüber fremden Menschen zu haben, sondern sie zunächst kennenlernen. In diesem Sinne: Nie wieder.

Lina, Jana, Charlotte, Eva, Hannah, Maja und Herr Hain