Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

der Stadt Bornheim 

Das Ende der eigenen Schulzeit unmittelbar vor Augen, hatten Schülerinnen und Schüler unseres Abiturjahrganges am Donnerstag vor den Osterferien die Möglichkeit, ihre eigene Schulkarriere mit einer Biographie in der DDR zu vergleichen.

Prof. Dr. Eberhard von Faber besuchte zu diesem Zwecke den Leistungskurs Geschichte der Q2 und berichtete von seinen eigenen Erlebnissen.

Dr. von Faber, Vater eines Abiturienten unserer Schule, 1962 geboren und in der DDR aufgewachsen, wurde aufgrund seiner unverhohlenen negativen Einstellung zu Staat und Ideologie, seiner demonstrativen mangelnden Bereitschaft zur Gefolgschaft und dem offen praktizierten Christsein trotz schulischer Bestnoten mehrfach der Weg zum Abitur und damit zum Studium versperrt. Als Jahrgangsbester durfte er zunächst nicht studieren, sondern wurde zur Unterschrift unter einen Lehrvertrag zur Ausbildung als Dreher genötigt. Nur durch wiederholtes Einschreiten kirchlicher Amtsträger wurde ihm schließlich dennoch ein Studium und später sogar eine Promotion ermöglicht.

Seine in weiten Teilen abenteuerliche Geschichte trug Dr. von Faber bewegend vor. Er beschrieb reflektiert und pointiert den täglichen Druck, dem er in Schulen, Betrieben und Universitäten ausgesetzt war. In diesem Zusammenhang bezeichnete er diese Einrichtungen der Volksbildung als „Tatorte“. Humorvoll vermittelte der spätere Professor für IT-Sicherheit die turmhohen Hürden, die er in einer Mangelwirtschaft geschickt und ideenreich überwinden musste, um sich einen eigenen Computer herzustellen; zu kaufen gab es für jemanden, der so gar nicht ins System der DDR passen wollte, schließlich keinen.

Die Überwachungen durch die Staatssicherheit ließ Dr. von Faber ebenso nicht aus und vermittelte den Abiturienten des AvH so beklemmende Eindrücke einer Überwachungsgesellschaft aus erster Hand. Eberhard von Faber ging in seiner Rückschau nicht nur mit der gezielten politischen Indoktrination im Schulsystem der DDR hart ins Gericht, in die Zukunft gerichtet warb er mit seinen Ausführungen für eine lebendige Demokratie und eine pluralistische Gesellschaft.

Die Geschichtsschülerinnen und -schüler bedankten sich bei Herrn Dr. von Faber für die informative und lebendige Art, mit der er seine Eindrücke und Erlebnisse in der DDR dargestellt hat. Dieser bedankte sich seinerseits, unterstrich, wieviel Spaß ihm sein Besuch gemacht habe, und versprach, gerne wiederzukommen, wenn auch künftige Jahrgänge „Geschichte aus erster Hand“ erfahren wollten.

Interessierten bietet das Zeitzeugenportal vom Haus der Geschichte die Möglichkeit, in mehreren kurzen Videos der interessanten Geschichte Dr. von Fabers auf die Spur zu kommen: https://www.zeitzeugen-portal.de/personen/zeitzeuge/eberhard-von_faber.

Informationen zum Eigenbau eines Computers mit DDR-Mitteln findet man auf der Homepage des Entwicklers:
https://vonfaber.de/Home

Thomas R. Aretz